Die vergessene Belegschaft

 

„Unser größtes Vermögen sind unsere Mitarbeiter“, lautet das Motto vieler Unternehmen. Aber allzu oft legen Tatsachenberichte das Gegenteil nah: Weit entfernt davon, mit Vertrauen und Respekt behandelt zu werden, bekommen Arbeitnehmer eher zu spüren, dass sie als Zahnräder im Getriebe betrachtet werden. Schließlich sind es harte Zeiten in der Wirtschaft, in denen globale ökonomische Entwicklungen, aber auch spezifische Belastungen vor Ort Druck auf die Margen ausüben.

 

Dies verstärkt wiederum den Fokus auf die Effizienz im Geschäft – und damit auf Kosten- einsparungen. In dem Maße wie Manager in den Unternehmenszentralen Budgets weiter beschneiden, werden die Dominoeffekte vor allem von denjenigen verspürt, die an der Kundenschnittstelle von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen arbeiten: in Büros und Callcentern, bei den Kunden direkt und im Handel, am Point of Sale. Während Technologie im allgemeinen und die Software zur Personalverwaltung im speziellen bei der Bereitstellung der Lösung helfen sollten, kann dies oft selbst als Teil des Problems gesehen werden, insbesondere wenn sich Unternehmen zu sehr auf Ziele der taktischen Effizienz statt auf die der nachhaltigen Effektivität konzentrieren. Effizienzgewinne unterliegen eben stets dem Gesetz abnehmender Erträge – und limitieren damit langfristig die Chancen auf Innovation und Reaktionsgeschwin- digkeit. Gleichzeitig erleben vor allem jene Mitarbeiter mit direktem Kundenkontakt, in zuneh- mend einengenden und unflexiblen Umgebungen arbeiten zu müssen, und zwar hinsichtlich ihrer produktiven Zeit und anderer Ressourcen. Als eine Folge davon werden gerade die Menschen, auf die sich der Unternehmenserfolg stützt, demoralisiert und damit potenziell weniger produktiv, was zu höheren Gesamtkosten im Unternehmen führt.

 

Gibt es eine Möglichkeit, die Bedürfnisse von Unternehmen und ihren Arbeitnehmern in der Balance zu halten? Worauf müssen Unternehmen ihre Aufmerksamkeit konzentrieren, um ihre Mitarbeiter am „Front-End“ genau so einzusetzen, dass Produktivität und Agiität des Unterneh- mens steigen, ohne dabei die Arbeitszufriedenheit zu schwächen?

 

Viele Vorstellungen dazu sind veraltet, sowohl in Bezug auf Methoden in der Personalverwaltung als auch auf die Systeme, die zu deren Unterstützung genutzt werden. Während Personalverwaltungssysteme einerseits nicht als undifferenzierte Werkzeuge eingesetzt werden dürfen, erkennen Arbeitnehmer andererseits vermehrt deren Notwendigkeit – und den Nutzen, den sie ihrer eigenen Arbeit bieten können. Während aktuell noch immer Methoden uneinheitlich angewandt werden und allein dadurch eindeutig Raum für Verbesserungen bieten, liegt die gute Nachricht darin, dass gute Praktiken bereits heute den Weg weisen und in Arbeitnehmern oft das Bestreben wecken, auf diese Weise aktiv am Unternehmenserfolg mitzuwir- ken. Um jenen schlummernden guten Willen zu wecken, müssen Arbeitgeber erkennen, dass es dabei stets um ein Geben und Nehmen geht.

 

Ein leistungsfähiges Unternehmen braucht leistungsfähige Arbeitskräfte. Angesichts der anhaltenden Konjunkturschwäche können es sich Unternehmen heute weniger denn je leisten, Leerlauf im System oder ineffizienten Einsatz von Ressourcen jeder Art, menschlicher oder anderer, zu dulden. Vielmehr sind zeitgemäße Prinzipien der Workforce Management, optimale Vorgehensweisen und der Aufbau entsprechender Fähigkeiten die Kernelemente eines gut geführten Unternehmens, das konstruktive Antworten auf die grundlegenden Herausforderungen in Sachen Personal, Prozesse und Produktivität bietet. Der alleinige Antrieb, Kosten möglichst gering zu halten, schafft eine Abwärtsspirale, die die Arbeitszufriedenheit schwächt und damit die Fähigkeiten der Arbeitnehmer einengt, auf Nachfrage flexibel zu reagieren.

 

Statt diesen Teufelskreislauf anzutreiben, konzentrieren sich besser vorausdenkende Unterneh- men auf Innovation und Wachstum; nicht zuletzt darüber, bessere Dienstleistungen als die Konkurrenz zu bieten und die Qualität der Kundenerfahrung zu maximieren. Derart erfolgreiche Unternehmen erkennen, dass die Freisetzung des Potenzials ihrer Arbeitskräfte durch Workforce Management ein Motor für Veränderung und Wachstum im Unternehmen sein kann, ja, sein sollte.

 

Das erfordert jedoch, dass vor allem die Mitarbeiter an der Kundenschnittstelle als wertvolle Menschen, nicht allein als Posten in einer Bilanz behandelt werden. Dieses Ziels zu erreichen kann weitere Vorteile mit sich bringen:  Beschäftigung mag zurzeit aufgrund des vermeintlichen Mangels an Arbeitsmöglichkeiten ein „Käufermarkt“ sein, aber so wie Unternehmen gestärkt aus dem Abschwung hervorgehen, wird Mitarbeiterbindung als Faktor an Wichtigkeit gewinnen. Wenn jedoch Workforce Management sein Potential ausschöpfen soll, so muss man sich von einigen Mythen lossagen, nicht zuletzt von der Unterstellung, dass Mitarbeiter solche Technologien grundsätzlich als bedrängend empfinden. Im Gegenteil: Vor allem Menschen am „Front End“ haben dieselben Interessen an Steuerung ihres Einsatzes, Erledigung ihrer Aufgaben oder Vorausplanung ihrer Verfügbarkeit, genau wie ihre Vorgesetzten auch.

 

Bei aufrichtiger Zusammenarbeit und unter Anwendung der richtigen Methoden und Fähigkei- ten können alle Parteien an Transparenz wie Übersicht gewinnen, dabei gleichzeitig die Gesamtkosten für das Unternehmen reduzieren, ohne dessen Leistungsfähigkeit zu schwächen oder gar den zentralen Beitrag seiner wichtigsten Mitarbeiter zu gefährden: nämlich von den sich kontinuierlich verändernden Bedürfnisse des Marktes bestmöglich zu profitieren.

 

Die European Society for Workforce Innovation will ihre Mitglieder und Partner auf diesem Wege mit innovativem Wissen, vertrauensvollem Austausch und strategischen Konzepten begleiten.